Uta-garuta

Uta-garuta: Hyakunin-isshu vereint höchste Dichtkunst mit großem Spielvergnügen! Beim Uta-garuta handelt es sich um ein traditionelles japanisches Kartenspiel. Es besteht aus insgesamt 200 Karten, die in zwei Sets mit jeweils 100 Karten aufgeteilt sind. Das Spiel wird seit Jahrhunderten in vielen japanischen Familien zum Neujahrfest gespielt. Dafür kommt dann die kleine Truhe mit dem reichverzierten Deckel auf den Tisch, in deren Inneren sich die Karten befinden. Davon sind jeweils 100 detailliert gestaltet. Zu sehen ist ein Bildnis des Dichters, sein Namen und der Anfang seines bekanntesten Gedichts. Diese sollen dem Lesen dienen. Die anderen 100 Karten sind ebenfalls schön illustriert und enthalten die unteren Strophen der entsprechenden Gedichte. Sie sollen dem geben gewidmet sein.

Uta-garuta: Es war einmal ein Gelehrter

Der Ursprung des Uta-garuta, auch Hyakunin-isshu genannt, geht der Legende nach auf das Jahr 1235 zurück. Da wurde der Gelehrte Fujiwara no Teika vom wohlhabenden Utsunomiya Renjô darum gebeten, ihn zur Verschönerung seines Hauses 100 ausgewählte Gedichte zusammen zu stellen und diese an seine Schiebetüren zu kalligraphieren. Dieser Bitte entsprach der Gelehrte, zog sich eine Weile in sein Haus an der Westspitze Kyôtos zurück und machte sich daran, die abertausenden von japanischen Gedichten („waka“) zu durchforsten auf der Suche nach den 100 Schönsten. Er wählte welche über die Liebe, andere über die Jahreszeiten und wieder solche, die sich am besten singen ließen.

Das Hyakunin-isshu bietet kunstvolle Sprache mit perfektem Versmaß

Die Sammlung umfasste schließlich „tanka“ (Kurzgedichte), die traditionell aus jeweils 5 Zeilen mit festgelegten Moren (Anzahl der Silben) bestanden. Die Aufteilung ist dabei wie folgt: 5, 7, 5, 7, 7. Dabei sind die oberen drei Zeilen als Oberstollen bekannt, die letzten beiden als Unterstollen. Durch gezielt gesetzte Pausen ergibt sich daraus ein rhythmischer Erzählfluss. Die Sprache die dabei Verwendung findet ist bungo, also klassisches Japanisch wie es zu damaligen Zeiten am Kaiserhof gesprochen wurde. Heute findet sie sich nur noch in alter Literatur, deshalb sind die Gedichte längst dem modernen Japanisch angepasst. Nähere Informationen sind hier zu finden.

Aus Hyakunin-isshu wird Uta-garuta

Aus der Fülle beliebter Gedichte, dem Hyakunin-isshu, hat sich schließlich das Uta-garuta als Spiel herausgebildet. Ziel ist es, die Strophen der Gedichte jeweils zusammen zu bringen. Hierfür braucht es mindestens drei Spieler, es können aber auch ganze Gruppen spielen. Ein Spielleiter führt durch das Spiel. Er enthält das erste Kartenset, die Karten mit den Strophenanfängen. Die beiden Spielgruppen erhalten wahlweise jeweils 50 Karten des zweiten Sets oder sie erhalten keine Karten. Diese werden stattdessen auf dem Boden um sie herum ausgebreitet. Ihnen wird nun die schwierige Aufgabe gestellt, die richtigen Paare zu finden und damit das Spiel für sich zu entscheiden. Hierbei sind Wissen, Sprachgefühl und Schnelligkeit gefragt. Das Spielalter ist ab der Schulzeit zu empfehlen, aber auch Erwachsene erfreuen sich hier jedes Jahr zum Neujahresfest dran.

Damit das Uta-garuta auch in Deutschland seine Spieler finden kann, wurden die Spielkarten kurzerhand übersetzt. Der Klang der Gedichte ist dabei nicht mehr ganz so feierlich und schön, doch die Übersetzungen tragen sehr zum Verständnis bei. Ein Spiel sicher nicht für jeden Tag, aber für die besonderen Tage im Jahr.